Ein gigantischer Eisberg driftet derzeit ungewöhnlich nah an die Küste eines kleinen Dorfes in Südwest-Alaska. Die Kombination aus beeindruckender Naturschauspiel und realer Gefährdung stellt Bewohner, Wissenschaftler und Behörden vor neue Herausforderungen.
Der erste Blick vom Pier fällt auf ein Fremdkörper-artiges Weiß in der Beringsee: weit draußen, aber sichtbar groß wie ein Wohnviertel, schiebt sich ein Eisberg entlang der Küste. Das kleine Küstendorf, dessen Häuser an einem geschützten Sund kleben, wirkt im Vergleich zu dem driftenden Koloss zerbrechlich. Fischer kehren an diesem Morgen früher zurück, die Kinder bleiben länger zuhause; dennoch herrscht keine Panik, eher eine gespannte Wachsamkeit.
Auf den Straßen weht der salzige Geruch des Meeres, dazu mischen sich Gespräche über das, was niemand in dieser Nähe erwartet hatte. Alteingesessene erzählen, sie hätten Eisberge gesehen, aber nicht in dieser Nähe und nicht von solcher Größe. Besucher auf dem Steg halten den Atem an, ziehen die Handys heraus, filmen, diskutieren. Behördenfahrzeuge und zwei wissenschaftliche Boote sind bereits vor Ort; Mitarbeiter bringen Ferngläser und Messgeräte in Stellung. Die Stimmung schwankt zwischen Ehrfurcht und Sorge — eine Mischung, die das Dorf seit Jahrzehnten kennt, aber selten so deutlich erlebt hat.